Produktion&Fertigung

Die 5 wichtigsten Finanzkennzahlen in der Produktion und Fertigung

15 November 2021   |   13 Minute lesen
Die wichtigsten Finanzkennzahlen in Produktion und Fertigung
Die wichtigsten Finanzkennzahlen in Produktion und Fertigung

1. Der Cashflow

Definition Cashflow: Während eines bestimmten Zeitraums erwirtschaftete Nettoeinnahmen eines Unternehmens.

Sehr allgemein formuliert werden für den Cashflow alle Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt und dienen einem Einblick in die finanzielle Struktur eines Unternehmens. Die Kennzahl ist besonders für Stakeholder interessant, weil sie die Nettoeinnahmen über einen Zeitraum hinweg betrachtet.

Warum ist der Cashflow wichtig: Der Cashflow bestimmt wie viel liquide Barmittel im Unternehmen übrig sind, die für Investitionen, Schuldentilgung oder Gewinnausschüttung genutzt werden können. Für Produktion und Fertigung ist dies besonders relevant, da Maschinen regelmäßig ausgetauscht werden müssen und Neuanschaffungen sich als Investitionsausgaben zu Buche schlagen. Oft spricht man in dem Zusammenhang auch vom operativen Cashflow – der Teil, der sich auf die normalen Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens bezieht.

Es gibt mehrere Möglichkeiten den Cashflow zu beeinflussen und optimieren: so kann man kürzere Zahlungsziele mit Kunden vereinbaren, Überproduktion vermeiden, den Materialvorrat verringern (auch unter dem Just-in-time-Prinzip bekannt), Wert auf qualitative Arbeit legen, also Fehlproduktionen und Verschwendung verhindern, sowie Unternehmensausgaben unter Kontrolle halten.

Ein optimierter Cashflow reduziert außerdem die Chance von Insolvenz.

2. Das Umlaufvermögen

Definition Umlaufvermögen: Das Umlaufvermögen besteht aus all den Wirtschaftsgütern die zum Weiterverkauf, zur Verarbeitung oder zum Verbrauch in einem Unternehmen angeschafft bzw. produziert werden.

Das Umlaufvermögen berechnet sich aus kurzfristigen Vermögenswerten abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten. Ziel jeder Firma sollte es sein, das Umlaufvermögen zu verbessern.

Warum das Umlaufvermögen relevant ist: Das Umlaufvermögen gibt Auskunft über den derzeitigen Stand eines Unternehmens. Viele Posten der Produktion und Fertigung fallen in die Kategorien: Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige Erzeugnisse, Waren, usw. Indem Vorräte kontrolliert werden, werden auch andere Finanzkennzahlen unter Kontrolle gehalten. Vorräte sollten zwar immer vorhanden sein, es sollte jedoch nicht zu viel Kapital gebunden sein.

Das Gegenteil vom Umlaufvermögen ist Anlagevermögen. Die Posten, die darunter fallen sind gesetzlich geregelt, aber es fallen z.B. Grundstücke, Maschinen, Lizenzen oder Wertpapiere in diese Kategorie (und daher nicht in die Kategorie Umlaufvermögen).

3. Gesamtanlageneffektivität bzw. Overall Equipment Effectiveness

Definition Gesamtanlageneffektivität: Die Gesamtanlageneffektivität auch bekannt als Overall Equipment Effectiveness, kurz OEE, zeigt wie effektiv die Anlagen und Maschinen im Unternehmen genutzt werden.

Warum die Gesamtanlageneffektivität relevant ist: Dass die Kennzahl wichtig ist, leuchtet wahrscheinlich schnell ein. Gerade in Produktion und Fertigung ist es wichtig die Balance aus maximaler Verfügbarkeit und maximaler Auslastung zu erreichen. Wenn die Zahlen fallen, werden Produktionsverluste sichtbar, und im Umkehrschluss deuten steigende Zahlen auf eine Verbesserung der Produktqualität hin. Ohne OEE bleiben viele Verluste im Produktionsprozess unsichtbar.

4. Umsatzkosten/Selbstkosten COGS

Definition Umsatzkosten: Umsatzkosten sind die Kosten, die anfallen, um Umsatz zu erzielen. Im englischen werden sie oft als Cost of Goods Sold, kurz COGS, bezeichnet. Um Umsatzkosten zu berechnen, werden alle direkten Kosten eines Produktes berücksichtigt, wie Rohstoffe, Material- und Lohnkosten. Zusätzlich werden anteilig noch Gemeinkosten dazugerechnet: z.B. Miete oder Strom.

Im deutschen Recht werden Umsatzkosten in der GuV nur aufgezeigt, wenn nach dem Umsatzkostenverfahren erstellt wird.

Warum die Umsatzkosten wichtig sind: sie zeigen auf wie erfolgreich ein Produkt sein kann und ob das Unternehmen wirtschaftlich produziert. Zusätzlich wird angezeigt, wie gut ein Unternehmen Personal und Material verwaltet.

Verkaufseinnahmen minus Umsatzkosten geben Aufschluss über den Bruttogewinn eines Unternehmens.

5. Geschäftszyklus

Definition Geschäftszyklus: Der Geschäftszyklus benennt einen Zeitraum, zusammengesetzt aus der Lagerdauer (=Ankunft von Rohstoffen bis zum Verkauf des fertigen Produkts) und dem Zahlungsziel (z.B. 30 Tage nach Erhalt der Waren).

Daraus leitet sich die Geldumschlagsdauer ab, indem man das Zahlungsziel des Zulieferers von der Geschäftszyklusdauer abzieht. Die Geldumschlagsdauer ist wiederum wichtig, weil sie zeigt, wie lange es von dem Zeitpunkt an dauert, an dem Geld das Unternehmen verlässt (für Zahlung von Rohmaterialien) bis das Geld wieder ins Unternehmen kommt (für Zahlung der fertigen Produkte).

Warum der Geschäftszyklus wichtig ist: Lagert Ihr Unternehmen unnötig lange fertige Produkte, bevor diese verkauft werden? Müssen Sie Ihre Zulieferer innerhalb 30 Tage bezahlen, aber Ihren Kunden gewähren Sie 60 Tage? Der Geschäftszyklus und die Geldumschlagdauer geben Ihnen Einblick in die Zeiträume zwischen Ausgabe und Einnahme. Daraus können Sie feststellen, ob im Unternehmen genug liquide Mittel verfügbar sind, um Geschäftstätigkeiten weiter zu verfolgen, oder ob Sie auf Kredite oder weitere Finanzierungsrunden zurückfallen müssen.



Es ist sicherlich klar, dass die fünf Kennzahlen nur einen kleinen Teil all der Kennzahlen darstellen, die für Finanzabteilungen, ob in Produktion und Fertigung oder in anderen Branchen, relevant sind. Weitere wichtige Kennzahlen können je nach Unternehmen die folgenden sein: Durchlaufzeit, Personalproduktivität, Anzahl an Aufträgen, Umlaufbestände, Bestände in Fertigung und im Lager, Rüstzeiten, Ausschussmengen, Auslastung, Flächenbedarf, und und und.

So viel ist sicher: als Finanzleiter dürfte es nicht langweilig werden. Kennzahlen werden als objektive Entscheidungshilfe von den Führungskräften im Unternehmen genutzt. Das Bauchgefühl mag zwar in eine bestimmte Richtung verleiten, aber mit dem Wissen von Finanzkennzahlen können Schwachstellen, Optimierungs- und Verbesserungspotentiale aufgedeckt werden.

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